Ausstellung  zeit:sprung    Schloss Pöggstall 2014        Mag. Hartwig Knack

 

Wirklichkeit künstlerisch zu interpretieren und somit auch die menschliche Perzeption kritisch zu hinterfragen sind Manfred Brandstätter große Anliegen. So entstehen Bilder, Grafiken, plastische Objekte und Installationen, die - im figurativen wie auch abstrakten Stil ausgeführt - inhaltlich eine Einheit bilden und sich immer auch mit Fragen der Zwei- und Dreidimensionalität beschäftigen.

Brandstätters Arbeiten faszinieren durch ihre erzählerische und beschreibende Kraft und drängen fortwährend zu Diskurs und Dialog.


Der Künstler hat sich in seinen ausgestellten Arbeiten dezidiert mit dem Begriff der Zeit auseinandergesetzt. Einige Werke sind auch im Hinblick auf diese Ausstellung entstanden.

Was ist Zeit, wann hat Zeit begonnen? Wie schaut es mit einem Anfang oder einem möglichen Ende aus? Gibt es so etwas wie Ewigkeit? Können wir den Realzustand unserer Welt überhaupt erkennen oder begreifen?

 

Brandstätters Interesse gilt auch der Landart. Hier ist ihm wichtig, dass im Laufe der Zeit sich die Natur ihre Plätze zurückerobert. 

Das heißt: Kunst in der Natur aus natürlichen Materialien, die in zeitlichen Zyklen der Natur eingebunden sind, sich zu einem gewissen Zeitpunkt wieder zurück in die Natur einfügen.

 

 Die kleine Installation aus Steinen ist dem Thema Urknall gewidmet. Ein Begriff aus der Kosmologie, der den Beginn des Universums markiert. Eine starke zeitliche Komponente künstlerisch vorgestellt, die natürlich die Frage nach der Zeit vor dem Urknall aufwirft. Noch einen Sprung weiter zurück...

 

Grundsätzlich möchte Manfred Brandstätter mit seiner Kunst Fragen aufwerfen, die nicht notwendigerweise Antworten erfordern. Er möchte Diskussionen anregen und nicht Erklärendes von sich geben. Warum nicht auch Dinge im Bereich des Geheimnisses belassen? Die Naturwissenschaft versucht immer, alles zu erklären und Verborgenes zu lüften. So werden viele Dinge und Phänomene ihres Gehaltes, ihre Magie beraubt. Hätte Muybridge nicht versucht, den zeitlichen Bewegungsablauf eines galoppierenden Pferdes zu entschlüsseln, würden wir heute noch nicht wissen, dass ein Pferd im vollen Galopp tatsächlich zu einem bestimmten Zeitpunkt mit allen Hufen die Erde verlässt.


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BILDER DIE WACHRÜTTELN.      Dr. Leopold Kogler

Weistrach (kog)  Okt. 1999

Die Viertelsgalerie im Kulturhof Weistrach zeigt tief beeindruckende Arbeiten von Manfred Brandstätter.

Mit einem "sozialen Nervenkitzel" startet im Kulturhof in Weistrach die neue Ausstellungssaison.

 

Da ist ein mit vergilbten Zeitungsseiten tapezierter, verdunkelter Raum. Vom Boden bis zur Decke also altes Zeitungspapier. Ein mattes Licht lässt einen gemalten Obdachlosen in der Mitte des Raumes erkennen.

Betroffenheit wird ausgelöst. Genau das will der St. Valentiner Maler Manfred Brandstätter mit seinem "Warteraum für bereits abgefahrene Züge" hervorrufen.

 

Mit seinen neuesten Arbeiten möchte der Künstler auf das Schicksal der Obdachlosen aufmerksam machen.

Das gelingt ihm bestens. Schon bei der Eröffnung erntete er viel Anerkennung. Das Aufgreifen der sozialen Randgruppen ist in der zeitgenössischen Kunst ein wichtiger Faktor. Auch seine anderen Bilder heben sich bewusst gegen den Glamour bunter Dekorationsbilder ab. In düsteren Illusionsräumen präsentiert Brandstätter die Einsamkeit nicht beachteter Menschen. Der Blick des Betrachters wird eingefangen. Man erfährt das beinharte Schicksal.

Die aufgehängten Biografien - von Obdachlosen selbst verfasst - machen obendrein ganz ordentlich betroffen.

Mit dieser Ausstellung ist dem Künstler Brandstätter ein außerordentlicher Wachrüttler gelungen.


1    Warteraum für bereits abgefahrene Züge